Archiv der Kategorie: Leben

Lesung beim Deutschen Polen Institut

Morgen. Morgen! Ich wollte längst Werbung machen, aber ich bin so eingespannt zwischen Texten und Unterricht, dass ich es vergessen habe.

Meine Lesung in Darmstadt beim deutschen-Polen Institut. Es wird Prosa und Poesie geben. Es gibt das Sprechen als hin und her – Zwischen Menschen, Bedeutungen und Texten. 
Ich danke Frau Makarska und Herrn Loew für diese Einladung und die Moderation.
Ostmigrantisch, postmigrantisch. Was mache ich als Slawogermane, als Dojczpolen, wenn ich spreche?
Literatura.

Irgendwie fühle ich mich zum ersten Mal auch als deutsch-polnischer Autor wahrgenommen. Das ist schön.

Ab 18:30h, in der Goethestraße 2, in 64285 Darmstadt

Lesung in Klagenfurt






Klagenfurt hat seit der Pandemie das Format Donnerszenen. Dabei wird Kultur und Kunst in die Innenhöfe der Innenstadt gebracht. Am 01.08. feiere ich dort meinen Büchergeburtstag,
livestream & leichen wird 1 Jahr alt. Und das zelebriere ich mir Lesungen um 16:45h, 18:30h und und 20:30h im Hof des Goldenen Brunnens/Stadtcafés de la Tour.

DONNERSZENEN

Ich freue mich, meine Aufgabe als Stadtschreiber lauthals zu verkünden.

Ich würde mich freuen, Menschen aus der Umgebung zu sehen.

Grüüüße,

Lesung in Klagenfurt






Klagenfurt hat seit der Pandemie das Format Donnerszenen. Dabei wird Kultur und Kunst in die Innenhöfe der Innenstadt gebracht. Am 01.08. feiere ich dort meinen Büchergeburtstag,
livestream & leichen wird 1 Jahr alt. Und das zelebriere ich mir Lesungen um 16:45h, 18:30h und und 20:30h im Hof des Goldenen Brunnens/Stadtcafés de la Tour.

DONNERSZENEN

Ich freue mich, meine Aufgabe als Stadtschreiber lauthals zu verkünden.

Ich würde mich freuen, Menschen aus der Umgebung zu sehen.

Grüüüße,

Rezensionen und Binationalität!

Es wird besprochen!

Am 21.XI.2023 spreche mit Jasmin Siddiqi alias Hera of Herakut und Thusjanthan Manoharan um 19h im Haus am Dom über Binationalität, Familienhintergründe und Kunst. Die Veranstaltung heißt passend: Schreiben, Rappen, Streetart. Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt – 19h-21h. Die Veranstaltung wird geboten vom Verband Binationaler Familien und Partnerschaften. Ich bin dankbar und voller Vorfreude auf unser Gespräch.

Die FAZ, meine Heimzeitung, hat meinen Gedichtband livestream & leichen rezensiert. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt Christina Lenz z.B.: „je tiefer man sich in den Strudel solcher Verse begibt, desto eher erscheinen nicht mehr die Gedichte als Deformationen und Fassaden der Realität, sondern das alltäglichen Gerede im Modus der Normalität.

Ich bin voller Dankbarkeit und Euphorie. Hier ist die ganze Rezension zum Nachlesen:

Zudem, es geht noch weiter! Es wird weiter besprochen. Die Dichterin Carolin Callies empfiehlt meinen Gedixhtband beim Lyrischen Quartett im Lyrikkabinet im München. Aufgenommen am 08.XI.2023 und ausgestrahlt ab 22:03h am 19.XI.2023 auf Deutschlandfunk Kultur.

Carolin Callies sagt dort unter Anderem: „Ja, das ist Martin Piekar und was ich an ihm schätze, ist die unglaubliche Zeitgegenwärtigkeit seines Sprachmaterials. Er ist im digitalen Zuhause. Er nimmt das digitale Sprachmaterial und rettet es hinüber ins Gedicht. […]
Hier webt sich das Sprachmaterial ineinander und man weiß am Schluss gar nicht mehr, was ist noch Körper, oder was sind nur noch Daten und das finde ich ganz meisterlich.“

Große Freude! Schier unbändig und fast nicht in Sprache zu fassen. Deswegen muss weiter besprochen werden.

Dankeschön und Grüße,

Der neue Gedichtband – livestream & leichen – ist da!

#lul lernt bereits U-Bahn fahren

Mein neuer Gedichtband ist erschienen!!!

Schwere Freude

Er kann in jedem Buchhandel bestellt oder direkt beim Verlag geordert werden.

Großen Dank möchte ich dem Verlagshaus Berlin aussprechen für so viel Vertrauen und Zusammenarbeit und auch ganz besonders Nina Kaun für die phantastischen, grotesken, verdunkelnden Illustrationen, Dankeschön.

Hier der Klappentext:

Was als Spaziergang beginnt, entpuppt sich bald als Tour de Force, als Streitgespräch mit Bots, Bekannten, Liebhaber*innen – und Leichen. Er lässt diejenigen sprechen, die am Rand unserer Gesellschaften sprachlos werden. Lässt sie Liebeshymnen anstimmen für diejenigen, die lieblos am Boden liegen gelassen werden. Ungelöste menschliche Konflikte – Herkunft, Beziehungen, Ungleichheiten – werden mit technischen Entwicklungen kontrastiert, die Lösungen anbieten, die eine neue Herrschaftsstruktur einläuten.

Wie ein Chor aus griechischen Tragödien fordern Leichen genauso wie der lebendige digitale Livestream immer wieder das Gespräch mit der Vergangenheit und mit der Gegenwart. In digitalen Räumen, unter Bettdecken und in Krankenhäusern: Überall fragen die Leichen, wie die Zukunft zu gestalten ist, wenn wir uns gemeinschaftlich der Realität versperren.

Martin Piekars Gedichte bieten Freundschaft als Ort unseres Zusammenseins an. Als Weg, das Unfassbare zu begreifen, als Weg, sich Räume in dieser Welt zu erkämpfen, die manchmal aufgegeben erscheinen. Piekars Schreiben ist eine Einladung, mit ihm zu gehen, zu schreiten, zu rennen und innezuhalten: Unter Brücken, auf Parkbänken und Verkehrsinseln.

GEDICHTE// Martin Piekar
ILLUSTRATIONEN// Nina Kaun

ISSN978-3-910320-07-9

ein spaziergang für all jene, die keinen weg sehen

das pflaster, das durch uns gegangen ist

Die Wohnung meiner Mutter ist ausgemistet. Ich habe viel wieder gesehen, dass meinen Weg gepflastert hatte. Ich habe mich von vielem getrennt und einiges behalten.

Ich bin erleichtert und erschöpft. Ich bin viele Wege oftmals erneut gegangen. So viele Dinge und so viel Zeugs ist mit unserer Vergangenheit verbunden. Ich habe so viele Dinge, in die Hand genommen, die in mir eine Spur hinterlassen haben. Und ich musste über diese Dinge entscheiden. Ich bin erschöpft und erleichtert.

Dieses Jahr ist ein andauerndes Auf und Ab. Es geht immer weiter.

Ich bin aber auch froh, dass praktisch gleich mein neuer Gedichtband erscheint. Mein neuer Gedichtband „livestream & leichen“ ein Band voller Stimmen. Und so wie das Pflaster den Weg bereitet, um durch die Stadt zu spazieren, so bereiten andere Stimmen in uns den Weg nach außen zu gehen. Und so ist das ein kleine Sammlung an Zitaten, die mich zum Wundern, zum Fragen, zum Schreiben gebracht hat. Falls es jemanden interessiert, was mich so bewegt hat: viel Spaß!

das pflaster, das durch uns gegangen ist

Klagenfurt und Klagenlieder

Es ist ein Wahnsinn, also ich meine mein Leben. Klagenfurt und das Wettlesen um den Bachmannpreis waren sehr, sehr aufregend und anstrengend. Die Tage waren sowohl lang zum Zeitpunkt des Geschehens und ich kann kaum glauben, dass das ganze nun schon eine Woche her ist.

Kurzum: Ich bin unheimlich geehrte für meinen Text und meine Lesung zum einen mit dem Kelag-Preis und zum andern mit dem BKS-Publikumspreis ausgezeichnet worden zu sein. HIER geht es hin, falls ihr mehr erfahren wollt. Und natürlich gab es noch einige Pressemeldungen, z.B. von der Stadt Frankfurt – und die FAZ hat mich zu einer Person der Woche erklärt. auch schön!

Ich bin geradezu überwältigt und freue mich so sehr, diese Form von Anerkennung zu erfahren. Meinen Text werde ich weiter ausarbeiten und wir werden sehen, wann genau etwas Größeres daraus wird.

Danke, allen, die Zugehört haben, die sich Gedanken gemacht haben, die für mich abgestimmt haben (besonders danke), allen, die mich jetzt und schon so lange unterstützen. Ich bin dankbar für dieses Leben.

Zum Andern. Das Ausmisten der Wohnung meiner Mutter schreitet voran. Ich bin fast fertig, Ende Juli will ich fertig sein, aber um ganz genau zu sein, macht es mich auch fertig.

Neben den emotionalen Momenten, in denen ich mir wünschte, sie wäre noch da, oder hätte wenigstens meinen Bachmann Auftritt noch erleben können – da kommen dann noch Momente hinzu, in denen ich einfach überfordert davon bin, ihre Möbel, ihre Kleidung, ihre Bücher zu entsorgen (Bücherschrank, versteht sich).

Dieses Leben hat so viel hinterlassen und von Vielem muss ich mich schnell trennen. Und das zehrt auch an mir. Die Beerdigung hat Schulden hinterlassen, die ich jetzt tilgen kann und wer weiß, was noch ansteht. Ich zermartre mir manchmal zu sehr das Hirn. Es geht jedoch weiter. Ein Hoch auf Freunde, die einem helfen. Und die Poesie. Und das Lachen. Es kommt schon wieder. Es ist ein Wahnsinn, dieses meine Leben, meine ich.

Neues zum Neuen.

Frohes Neues – Liebe Leutz,

ganz untergangen am Ende des letzten Jahres: ich. Irgendwie war dieser Jahresabschluss kräftezehrender als sonst. Aber nun, eine liebe Freundin bat mich einen Beitrag für Ihren Blog GRAUGANS bereitzustellen. Die Formatierung ist natürlich nicht meine, aber das ist ok, denke ich. Vor allem für so ein Vorschnuppern. Es ging um das Thema „Mutmaßungen über meine Mutter“ und dafür habe ich ein Kapitel aus meinem Romanmanuskript, an dem ich grade arbeite, genommen. Habt Spaß und auf ein NEUES!

Na razie. Bis bald.

Inzidenzen des Verschwindens

Prag ist eine magische Stadt und ich werde noch mehr über diese Metropole schreiben, doch zuerst will ich mit einem Thema beginnen, das ich eigentlich vermeiden wollte: Corona. Uuuuäääärgggh, ich weiß. Und doch, es ist mir ein Bedürfnis es zu besprechen.

Als ich nach Praha aufbreche, gibt es eine Inzidenz von 18,5 – in Deutschland ca. 17,5. Ich hätte den November 2020 in Prag verbringen sollen. Wir wissen alle, was geschehen war. Die Inzident von 700 schwimmt in meinem Bewusstsein herum; drei Mal wurde mein Prag-Aufenthalt verschoben. Nun bin ich selbst doppelt geimpft und nehme immer weniger Gefahr wahr – vor allem weniger Gefahr, jemanden anzustecken. Trotzdem möchte ich mich leicht für Unvorsicht rügen.

Beim Durchstreifen der Stadt fiel mir auf, wie viele gewerbliche Räume derzeit Leerstand aufweisen und wie viele Geschäfte ganz simpel und einfach geschlossen haben. Immer noch. Oder, wie mir auch berichtet wurde: geschlossen wurden. Diese Pandemie ist anstrengend und nervt, natürlich! Doch ich sehe gerade in Prag, wie sehr sie die Infrastruktur und das Angebot der Städte verändert. Ich bin nach Prag aufgebrochen, kurz nachdem in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main Lockerungen Anwendung fanden. Ich habe Angst heimzufahren und dann erst zu realisieren, wie viele Geschäfte, Lokale, Restaurants, Kneipen, Clubs, Bars es nicht mehr gibt. Puh. Und das gar nicht, weil ich Angst vor Veränderung habe, sondern Angst vor dem Verschwinden.

Dann laufe ich über den Platz der Alt-Stadt Prags. Die Astronomische Uhr wird vom Tod geläutet. Auf dem Boden unweit davon prangen weiße Kreuze samt Namen und Daten. Alle sind sie an Corona gestorben. (Die MIT-Debatte führe ich nur noch mit Ohrfeigen, melden Sie sich bitte an.)

Ich sehe die Namen und denke die Inzidenz von 18,5. Das sind die Gesundeten und die Toten. Wir werden die Gesundeten schon bald behandeln als wäre nichts gewesen; wir Menschen können das gut. Die Toten beginnen wir loszulassen. Ich fürchte das. Wenn wir uns nicht mehr der Toten erinnern – wer dann?

Ich sehe die weißen Kreuze und weine ein wenig, ich bin ehrlich. Ich weine ein wenig für die Namen, die noch gegen die Zeit durchschimmern. Und dann läutet der Tod die Uhr. Es ist 17 Uhr. Das Stundenglas rinnt uns durch die Hände.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle aufhören. Am Vltava-Ufer (Moldau-Ufer), diskutierte ich jedoch nachts drauf mit fünf Menschen über die Corona Impfung. Eine tschechische Künstlerin merkte an, dass man bei dieser Debatte immer angeschrien wird, es wäre so emotional, das ließe sich mit nichts vergleichen, die Leute würden immer gleich so schreien. Und auch ich schrie. Wieso müssten wir so emotional diskutieren, wenn es eine individuelle Entscheidung wäre, fragte sie. Wir werden zu Antagonisten.

Einige argumentierten, dass sie sich nicht impfen lassen wollen, weil sie sich regelmäßig testen lassen. Und zu dem wollen sie keinen derartigen Eingriff in ihren Körper. Dies wäre immerhin eine individuelle Entscheidung und das solle respektiert werden. Ein Eingriff in den Körper – Ich zeigte auf die Person, auf ihr Bier und sagte: jedes getrunkene Bier ist ein Eingriff in den jeweiligen Körper.

Pro Choice – Pro Life.

Ich hüte mich vor dem Vergleich, will ihn gar nicht ziehen, aber er drängt sich mir auf. Wir diskutieren und schreien uns irgendwann an. Jemand geht kurz von dem Grüppchen weg, weil die Person sich der Intensität der Auseinandersetzung nicht aussetzen möchte. Weil die Emotionen überwältigend sind. Weil die Stimmen sich erheben. (Ich habe den Pro-Life Vs. Pro-Choice Gedanken nicht geäußert und keine fünf Minuten später diskutierten die anderen aus dem Grüppchen, wann Leben beginnt. Ich schätze, mit dem Bewusstsein der Sterblichkeit fragen wir uns nach dem Beginn.)

Ich bin geimpft. Ich habe mich impfen lassen, um meine pflegebedürftige Mutter nicht anzustecken und niemand aus meinem Freundeskreis zu gefährden. Aber die Impfung wäre doch ein Eingriff und man könnte ja trotzdem weiterhin jemanden anstecken, werden mir als Gegenargumente entgegengebracht. Jemand merkt klug an: In unserer Zeit sind alle Wissenschaftler*innen. Was für eine Zeit, als dieser Berufsstand noch Respekt erfuhr, schwärmt diese Person. Heute nehmen alle ihr Telephon zur Hand und wissen sofort, was zu glauben ist.

Am Ende bleiben wir bei der Debatte: Individuum Vs. Gesellschaft. Es bleibt keine Antwort. (Ge)Denken wir gemeinsam. Weiße Kreuze. Daten. Inzidenzen verschwinden, und sie bereiten mir auch dabei Angst. Nur wir können all der Toten gedenken.

Praha. Reboot. Zeit

Praha. Praga. Prag. Prague. Seit einer Woche bin ich in Prag. Ich durfte (doppeltvakziniert) mein Stipendium des hessischen Literaturrats e.V. und des Prager Literaturhauses antreten. Ich bin überglücklich hier zu sein. Ich sammle Eindrücke, schreibe auch fleißig und lese ordentlich. Ich werde insgesamt vier Wochen in Prag weilen (Mitte Juni bis Mitte Juli) und es kommt mir vor wie ein emotionaler und persönlicher Neustart. Nicht Lebens-technisch, mehr so ein reboot. Ein wieder anfange durch die Straßen zu laufen, draußen Notizen zu machen, sich in der Welt bewegen. Sein. Ich war die erste Woche direkt von der Stadt eingenommen und bin nun etwas runterkühlt nach dieser miesen Hitze und genieße die Winde, die von der Vltava kommen. Ich hoffe, euch geht es gut.Ich habe zur Einreise direkt „Die Stille in Prag“ von Jaroslav Rudiš gelesen und mag das Buch sehr, gerade für einen Prag Besuch ist es perfekt, kurz und knapp werden durch fünf Protagonist*innen die Perspektiven der Stadt durchgeguckt. Als Tourist erfuhr ich von einigen Einheimischen bereits, das manche der Klischees einfach als Umgangs-Wahrheiten gelten. Ich mag das Buch, weil die unterschiedlichen Charaktere so schnelllebig sind und doch Momente der Stille in sich und in der Stadt finden. Und weil fetzige Musik eine wichtige Rolle spielt. Ich kann in Prag nicht mehr Tram fahren, ohne mich doch nach Malmö umzusehen. Wer weiß. Und nochmal fahre ich sicher mit der 22 von Anfang bis Ende. Was für eine Stadt. Glück und Geschichte erlebe ich in dieser Stadt.
Passt auf euch auf!