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Es wird wieder gelesen PUNKT

11. September 2021 – Salzburg, EINMALIG, Sommerfest der Mosaik, Lesung gemeinsam mit dem großen Alexander Estis zusammen, ab 20 Uhr, Residenzplatz 10, Salzburg

17. September 2021 – Uelzen, Literaturfest Niedersachsen, Lesung gemeinsam mit Isabel Bogdan, Cornelia Travnicek, Joachim Dicks und Lisa Kaldowski. Die Lesung ist eine Wanderlesung und beginnt am Neuen Schauspiel Uelzen um 19:00 Uhr. – ich bin tierisch aufgeregt, weil ich das erste Mal laut und öffentlich aus meinem Romanprojekt „Vom Fällen eines Stammbaums“ lese… ui ui ui AUFGEREGT!

18. September 2021 – Wolfenbüttel, zum Abschied des LiteraturLabots Wolfenbüttel, kurz LILAWO, lesen ausgewählte Alumni (also ich auch, yeah!) und diskutiere mit anderen über die Bedeutung des LILAWO, das Event findet ab 19 Uhr in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V.

09. Oktober 2021 – Seligenstadt, ab 20 Uhr im St. Josephshaus, Jakobstraße 7, 63500 Seligenstadt lesen eine gemischte Tüte Autor*innen im Rahmen der Seligenstädter Literaturtage und des Leselandes Hessen.

Eigentlich ist das schon Depression

Ich weiß, wir stecken alle in dieser misslichen Lage. Und irgendwie schreibe ich diesen Satz direkt am Anfang, weil ich mein Leid kleinreden möchte. Ich hab‘s ja gar nicht so schlecht, denke ich. Ich nehme mich zurück und nehme meine eigenen Gefühle nicht so wichtig. Und ich nehme mich gern zurück, aber ich kann darin auch verschwinden.

Ich steck(t)e emotional in einer Krise. Es ist schwierig zu sagen, wann man die Querelen mit den eigenen Emotionen überwunden hat. Ich zweifle stark an mir selbst und an meinem Schreiben. Und ein großer Grund dafür ist tatsächlich die Pandemie. Ich war sehr produktiv, doch fehlt mir der Austausch. Es geht beim Schreiben eben nicht nur ums Schreiben, Binsenweisheit geschenkt. Aber es fehlt das Treffen anderer Autor*innen. Es fehlt das neue Texte auf die Bühne bringen. Das Diskutieren über neue Texte, das Hören anderer Stimmen…Es ist eine Form von Anerkennung, die ich mir nicht selbst geben kann. Und doch halte ich den Lockdown für unheimlich wichtig, weil eine Pandemie eben nicht mit Lust zu besiegen ist. Aber für alles Lustige müssen wir es zusammen überstehen.

Gerade gibt es auch so viele gesellschaftliche und politische Belange, zu denen ich auch einfach nichts Kritisches oder Kluges beitragen kann. Und so bleibe ich bei mir und mache mir das zum nächsten Vorwurf.

Selbstzweifel und Reflexion sind seltsam Verwandte. Sind es Stiefgeschwister? Ich ziehe sonst sehr viel Inspiration aus dem Hinterfragen meiner eigenen Arten und Denkweisen. Aber ich muss gestehen, dass ich viel zu häufig dachte: Ich bin kein guter Autor. Ich weiß nicht, wie sich das in meinen mentalen Zustand eingeschlichen hat, aber es nagt an dem, was ich generell tue und liebe zu tun. Das zersetzt mich etwas. Und es fällt mir dann auch schwer Hilfe zu suchen, denn Schwäche zugeben ist sonst meine Stärke, aber, wenn‘s ans Fundament geht, wackelt eben alles. Und macht mir Angst.

Ich suche hier wirklich keine Komplimente (du versuchst dir doch nur so einige Schulterklopfer abzuholen, sagt es scharfzüngig in meinem Kopf). Doch ich halte es für wichtig diese Zustände anzusprechen. Der nächste Zweifel ist: braucht jemand meinen Senf wirklich? Aber wenn ich das der dominante Gedanke werden würde, würde ich nur noch schweigend durch die Welt laufen.

Es fällt mir schwer auszudrücken, was ich sagen will, weil ich fürchte, dass ich nur wie ein Meckerzausel klinge. Es ist schwer. An manchen Tagen denke ich, dass mein Tun sinnlos ist. An anderen mein Sein. Und es ist so verflucht egozentrisch. Ich denke nie, dass andere Menschen es sind. Ich habe über die Jahre viele Methoden gefunden, mich aus dem Sumpf voller Selbstzweifeln zu ziehen. Jedoch ist ein gewisses Maß an Isolation grade sehr anstrengend. Tatsächlich hilft mir das Schreiben. Aber immer allein mit dem Schreiben zu bleiben, wird giftig für mich.

Ich empfinde mein Schaffen in den giftigen Momenten als absolut sinnlos und doch ist das Arbeiten und Schreiben gerade das, was mir Freude bereitet, was mich glücklich macht und im besten Falle auch mit anderen verbindet.

Wir sind nicht allein. Ich hoffe, dass ich nicht der einzige bin, der diese Losung braucht. Und eigentlich habe viele meiner Texte aus dieser Haltung herausgeschrieben: Ich will im Dunkel für Menschen eine Hand sein, die ihnen gereicht wird. Vielleicht, weil ich selbst häufig solche Hände in Anspruch nehme.

Es fällt mir schwer, dass alles öffentlich zuzugeben, nur ist es glaube ich ebenso wichtig, diese Seite des menschlichen Lebens sichtbar zu machen. Dass es Menschen gibt, denen es mental nicht gut geht und die meisten von uns machen weiter und weiter. Und manchen hilfts und manche gehen zu Grunde daran. Es gibt immer einen Weg, auch, wenn man ihn nicht sieht. Es gibt Hilfe, auch wenn man sich verloren fühlt. Tatsächlich hat es mir viel geholfen mit Menschen zu sprechen, die das Leben komplett anders sehen als ich. Denn man selbst zu sein, ist eben auch nur man selbst zu sein. Relativierung ist keine Heilungsmethode, aber diverse Perspektiven nachvollziehen zu können, ändert den Blick auf einen selbst.

Ich habe eine Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Beschäftigung. Und das obwohl ich gerade so viel Kraft und Zeit brauche, um mich zu erhalten. Oder gerade deswegen.

Ich bin wieder glücklicher mit meinem Schreiben. Und hoffe, dass es gut ist.

Ich hoffe, dir, Mensch, geht es gut.

Zum Abschluss ein neues Gedicht.

mich will jedes # plus eins & macht die bedeutung breit

#smartphonechallenge –

ich schaffe es, ein ganzes zu verschlingen

wenn ich mir auf die zunge beiße

bewerte ich immer noch reste auf ihre essbarkeit

es ist einfach jemand als lungernd zu verurteilen

wenn er hungernd versucht

niemandem etwas wegzunehmen

was ist das für ein machtkampf

bei dem twitter wikipedia verschlingt

aber ich bin mitten drin, wenn ein dealer mich bittet

etwas bei ihm zu kaufen, weil er jetzt familie hat

ich liebe alle menschen, die mich lieben

auch wenn sie mich nicht sehen

dabei verfolgt mich schon länger das gefühl

ein clickbait zu sein

an irgendeinem tag, wird die bedeutung

sich selbst verlieren & ich werde sie liegen lassen

auch, wenn sie mich anjault, sie anzufasen

ich wasche mich nur noch mit abwasser

weil es mir nichts wegnimmt

Hanau ist Überall – spacer/spacer

Gökhan Gültekin
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Mercedes Kierpacz
Hamza Kurtović
Vili Viorel Păun
Fatih Saraçoğlu
Ferhat Unvar
Kaloyan Velkov

#HanauistÜberall

Ich war erschüttert, als letztes Jahr der Anschlag in Hanau geschah. Ich war den ganzen Tag wortlos spazieren und konnte es nur mit einem Gedicht überwinden. Das Gedicht begleitet mich nun seit einem Jahr und ich habe einen kleinen Clip dazu gemacht: spacer/spacer heißt das Gedicht, man kann sich den Clip samt Gedicht auf YouTube anschauen. Es lässt mich nicht mehr los.

Rassismus, Extremismus und Faschismus sind ein Problem unserer Gesellschaft und wir sind alle betroffen. Hanau, Halle, Lübke, ich habe das Gefühl, es liegen Leichen vor meiner Haustür, die ich wegräumen soll, die ich nicht verursacht habe. Es sind Menschen, die wir nicht mehr kennenlernen werden und darin liegt noch eine Tragik.

Es reicht.

Hanau ist Überall.
Es lässt mich nicht mehr los.
Erinnern heißt Verändern, titelt die taz und ich gebe ihr recht.

Lasst uns nichts vergessen, denn wie Brodsky schrieb:
What’s the point of forgetting // if it’s followed by dying?

Ich gedenke heute und gehe nochmals spazieren.

Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zukunft zurück?

Liebe Freunde,

ich war etwas offline, dann kam die Pandemie und nun geht es so langsam weiter. Updates!

  1. Ich bin gerade aus Hausach im Schwarzwald zurück. Ich hatte dort das dreimonatige Hausacher LeseLenz-Stipendium. Ich habe drei Monate im schönen Schwarzwald verbracht, war wandern, habe Leute kennengelernt und geschrieben. Ich danke dem Hausacher LeseLenz e.V. für diese tolle Erfahrung und Möglichkeit.
  2. Ich habe (dort ^) ein Romanprojekt abgeschlossen. Es behandelt meine komplexe Familiengeschichte, ich selbst nur als Geschichte kenne, da die meisten beteiligten Tod sind und ich so nur von meiner Mutter von ihnen erfahren konnte. Meine Mutter wurde im Gulag geboren als Tochter einer polnischen AK Ärztin und eines SS-Majors. Ich bin im Roman der Geschichtenerzähler, der die Geschichte erzählt bekommt. Verlagssuche steht an.
  3. Ich bin natürlich auch am dritten Gedichtband dran: Es wird ein Spaziergang. Ich gehe sehr, sehr gerne spazieren, besonders in sozial wie politisch brenzlichen Zeiten. Es ermöglicht mir, Gedanken zu sortieren und dem Denken eine neue Bewegung zu geben. So gehen Innen & Außen, Gedanken & Begegnung, Analogie & Digitalität Hand in Hand. Ein Gedichtband = ein Spaziergang.

Weiter geht es nun endlich auch mit Lesungen!

ich lese heute, am 03.10.2020, am Tag der deutschen Einheit, in Kassel. Im Rahmen des Literaturhauses Nordhessen nehme ich mit Saskia Trebing und Philip Körmer an dem Format Spätlese teil und lese damit verbunden, mal wieder in einer Kirche. Große Freude. Dazu gibt es jede Menge Live-Musik mit dem Jules Mayfield Trio. – 03.10.2020, Kreuzkirche Kassel, Luisenstraße 13, Beginn 20:30 (Einlass 19:30). 12€/8€ erm. https://www.literaturhaus-nordhessen.de/10-lange-nacht-der-jungen-literatur-und-musikmit-saskia-trebing-martin-piekar-philip-kroemer-und-dem-jules-mayfield-trio/

Und dann darf ich zum Veranstaltungsformat OPEN BOOKS während der Frankfurter Buchmesse, am 15.20.2020 mit Christian Metz über seinen wunderbaren Essayband BEUGUNG sprechen. In diesem Essayband geht er der Dokumentationsfähigkeit und -tätigkeit zeitgenössischer Lyrik ein. 15.10.2020, 18 Uhr, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt. https://www.openbooks-frankfurt.de/termin/christian-metz-mit-martin-piekar-beugung-poetik-der-dokumentation/

Ich hoffe es geht weiter, ich hoffe auf mehr Lesungen, ich hoffe.

Bis Bald