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Premierenlesung #lul

Ich bin ganz schön aufgeregt!

Am 01.09.2023 werde ich meine Premierenlesung auf livestream & leichen im Hessischen Literaturforum im Mousonturm haben.

!¡!

Mehr Infos zur Lesubg H I E R

Ich bin so froh, an einem Ort zu lesen, der mir schon so tief bekannt ist, mich so oft und viel gefördert hat und eine feste (und traditionelle) Größe der Literaturveranstalter meiner Heimatstadt ist.

Ich würde mich freuen, viele von euch am 01.09.2023 ab 19:30 im Mousonturm zu begrüßen.

Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main

Bis zum 01.09.

Moderieren wird übrigens mein wundervoller Lektor Jo Frank! Große Freude, d.h. es wird viele Werkstattgespräche geben und Einblicke in die Zusammenarbeit, die notwendig und fruchtbar Ost für einen Gedichtband.

Ich geh jetzt mal setlist erstellen – wünsche sind willkommen!

Grüße,

Klagenfurt und Klagenlieder

Es ist ein Wahnsinn, also ich meine mein Leben. Klagenfurt und das Wettlesen um den Bachmannpreis waren sehr, sehr aufregend und anstrengend. Die Tage waren sowohl lang zum Zeitpunkt des Geschehens und ich kann kaum glauben, dass das ganze nun schon eine Woche her ist.

Kurzum: Ich bin unheimlich geehrte für meinen Text und meine Lesung zum einen mit dem Kelag-Preis und zum andern mit dem BKS-Publikumspreis ausgezeichnet worden zu sein. HIER geht es hin, falls ihr mehr erfahren wollt. Und natürlich gab es noch einige Pressemeldungen, z.B. von der Stadt Frankfurt – und die FAZ hat mich zu einer Person der Woche erklärt. auch schön!

Ich bin geradezu überwältigt und freue mich so sehr, diese Form von Anerkennung zu erfahren. Meinen Text werde ich weiter ausarbeiten und wir werden sehen, wann genau etwas Größeres daraus wird.

Danke, allen, die Zugehört haben, die sich Gedanken gemacht haben, die für mich abgestimmt haben (besonders danke), allen, die mich jetzt und schon so lange unterstützen. Ich bin dankbar für dieses Leben.

Zum Andern. Das Ausmisten der Wohnung meiner Mutter schreitet voran. Ich bin fast fertig, Ende Juli will ich fertig sein, aber um ganz genau zu sein, macht es mich auch fertig.

Neben den emotionalen Momenten, in denen ich mir wünschte, sie wäre noch da, oder hätte wenigstens meinen Bachmann Auftritt noch erleben können – da kommen dann noch Momente hinzu, in denen ich einfach überfordert davon bin, ihre Möbel, ihre Kleidung, ihre Bücher zu entsorgen (Bücherschrank, versteht sich).

Dieses Leben hat so viel hinterlassen und von Vielem muss ich mich schnell trennen. Und das zehrt auch an mir. Die Beerdigung hat Schulden hinterlassen, die ich jetzt tilgen kann und wer weiß, was noch ansteht. Ich zermartre mir manchmal zu sehr das Hirn. Es geht jedoch weiter. Ein Hoch auf Freunde, die einem helfen. Und die Poesie. Und das Lachen. Es kommt schon wieder. Es ist ein Wahnsinn, dieses meine Leben, meine ich.

Praha. Reboot. Zeit

Praha. Praga. Prag. Prague. Seit einer Woche bin ich in Prag. Ich durfte (doppeltvakziniert) mein Stipendium des hessischen Literaturrats e.V. und des Prager Literaturhauses antreten. Ich bin überglücklich hier zu sein. Ich sammle Eindrücke, schreibe auch fleißig und lese ordentlich. Ich werde insgesamt vier Wochen in Prag weilen (Mitte Juni bis Mitte Juli) und es kommt mir vor wie ein emotionaler und persönlicher Neustart. Nicht Lebens-technisch, mehr so ein reboot. Ein wieder anfange durch die Straßen zu laufen, draußen Notizen zu machen, sich in der Welt bewegen. Sein. Ich war die erste Woche direkt von der Stadt eingenommen und bin nun etwas runterkühlt nach dieser miesen Hitze und genieße die Winde, die von der Vltava kommen. Ich hoffe, euch geht es gut.Ich habe zur Einreise direkt „Die Stille in Prag“ von Jaroslav Rudiš gelesen und mag das Buch sehr, gerade für einen Prag Besuch ist es perfekt, kurz und knapp werden durch fünf Protagonist*innen die Perspektiven der Stadt durchgeguckt. Als Tourist erfuhr ich von einigen Einheimischen bereits, das manche der Klischees einfach als Umgangs-Wahrheiten gelten. Ich mag das Buch, weil die unterschiedlichen Charaktere so schnelllebig sind und doch Momente der Stille in sich und in der Stadt finden. Und weil fetzige Musik eine wichtige Rolle spielt. Ich kann in Prag nicht mehr Tram fahren, ohne mich doch nach Malmö umzusehen. Wer weiß. Und nochmal fahre ich sicher mit der 22 von Anfang bis Ende. Was für eine Stadt. Glück und Geschichte erlebe ich in dieser Stadt.
Passt auf euch auf!

Eigentlich ist das schon Depression

Ich weiß, wir stecken alle in dieser misslichen Lage. Und irgendwie schreibe ich diesen Satz direkt am Anfang, weil ich mein Leid kleinreden möchte. Ich hab‘s ja gar nicht so schlecht, denke ich. Ich nehme mich zurück und nehme meine eigenen Gefühle nicht so wichtig. Und ich nehme mich gern zurück, aber ich kann darin auch verschwinden.

Ich steck(t)e emotional in einer Krise. Es ist schwierig zu sagen, wann man die Querelen mit den eigenen Emotionen überwunden hat. Ich zweifle stark an mir selbst und an meinem Schreiben. Und ein großer Grund dafür ist tatsächlich die Pandemie. Ich war sehr produktiv, doch fehlt mir der Austausch. Es geht beim Schreiben eben nicht nur ums Schreiben, Binsenweisheit geschenkt. Aber es fehlt das Treffen anderer Autor*innen. Es fehlt das neue Texte auf die Bühne bringen. Das Diskutieren über neue Texte, das Hören anderer Stimmen…Es ist eine Form von Anerkennung, die ich mir nicht selbst geben kann. Und doch halte ich den Lockdown für unheimlich wichtig, weil eine Pandemie eben nicht mit Lust zu besiegen ist. Aber für alles Lustige müssen wir es zusammen überstehen.

Gerade gibt es auch so viele gesellschaftliche und politische Belange, zu denen ich auch einfach nichts Kritisches oder Kluges beitragen kann. Und so bleibe ich bei mir und mache mir das zum nächsten Vorwurf.

Selbstzweifel und Reflexion sind seltsam Verwandte. Sind es Stiefgeschwister? Ich ziehe sonst sehr viel Inspiration aus dem Hinterfragen meiner eigenen Arten und Denkweisen. Aber ich muss gestehen, dass ich viel zu häufig dachte: Ich bin kein guter Autor. Ich weiß nicht, wie sich das in meinen mentalen Zustand eingeschlichen hat, aber es nagt an dem, was ich generell tue und liebe zu tun. Das zersetzt mich etwas. Und es fällt mir dann auch schwer Hilfe zu suchen, denn Schwäche zugeben ist sonst meine Stärke, aber, wenn‘s ans Fundament geht, wackelt eben alles. Und macht mir Angst.

Ich suche hier wirklich keine Komplimente (du versuchst dir doch nur so einige Schulterklopfer abzuholen, sagt es scharfzüngig in meinem Kopf). Doch ich halte es für wichtig diese Zustände anzusprechen. Der nächste Zweifel ist: braucht jemand meinen Senf wirklich? Aber wenn ich das der dominante Gedanke werden würde, würde ich nur noch schweigend durch die Welt laufen.

Es fällt mir schwer auszudrücken, was ich sagen will, weil ich fürchte, dass ich nur wie ein Meckerzausel klinge. Es ist schwer. An manchen Tagen denke ich, dass mein Tun sinnlos ist. An anderen mein Sein. Und es ist so verflucht egozentrisch. Ich denke nie, dass andere Menschen es sind. Ich habe über die Jahre viele Methoden gefunden, mich aus dem Sumpf voller Selbstzweifeln zu ziehen. Jedoch ist ein gewisses Maß an Isolation grade sehr anstrengend. Tatsächlich hilft mir das Schreiben. Aber immer allein mit dem Schreiben zu bleiben, wird giftig für mich.

Ich empfinde mein Schaffen in den giftigen Momenten als absolut sinnlos und doch ist das Arbeiten und Schreiben gerade das, was mir Freude bereitet, was mich glücklich macht und im besten Falle auch mit anderen verbindet.

Wir sind nicht allein. Ich hoffe, dass ich nicht der einzige bin, der diese Losung braucht. Und eigentlich habe viele meiner Texte aus dieser Haltung herausgeschrieben: Ich will im Dunkel für Menschen eine Hand sein, die ihnen gereicht wird. Vielleicht, weil ich selbst häufig solche Hände in Anspruch nehme.

Es fällt mir schwer, dass alles öffentlich zuzugeben, nur ist es glaube ich ebenso wichtig, diese Seite des menschlichen Lebens sichtbar zu machen. Dass es Menschen gibt, denen es mental nicht gut geht und die meisten von uns machen weiter und weiter. Und manchen hilfts und manche gehen zu Grunde daran. Es gibt immer einen Weg, auch, wenn man ihn nicht sieht. Es gibt Hilfe, auch wenn man sich verloren fühlt. Tatsächlich hat es mir viel geholfen mit Menschen zu sprechen, die das Leben komplett anders sehen als ich. Denn man selbst zu sein, ist eben auch nur man selbst zu sein. Relativierung ist keine Heilungsmethode, aber diverse Perspektiven nachvollziehen zu können, ändert den Blick auf einen selbst.

Ich habe eine Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Beschäftigung. Und das obwohl ich gerade so viel Kraft und Zeit brauche, um mich zu erhalten. Oder gerade deswegen.

Ich bin wieder glücklicher mit meinem Schreiben. Und hoffe, dass es gut ist.

Ich hoffe, dir, Mensch, geht es gut.

Zum Abschluss ein neues Gedicht.

mich will jedes # plus eins & macht die bedeutung breit

#smartphonechallenge –

ich schaffe es, ein ganzes zu verschlingen

wenn ich mir auf die zunge beiße

bewerte ich immer noch reste auf ihre essbarkeit

es ist einfach jemand als lungernd zu verurteilen

wenn er hungernd versucht

niemandem etwas wegzunehmen

was ist das für ein machtkampf

bei dem twitter wikipedia verschlingt

aber ich bin mitten drin, wenn ein dealer mich bittet

etwas bei ihm zu kaufen, weil er jetzt familie hat

ich liebe alle menschen, die mich lieben

auch wenn sie mich nicht sehen

dabei verfolgt mich schon länger das gefühl

ein clickbait zu sein

an irgendeinem tag, wird die bedeutung

sich selbst verlieren & ich werde sie liegen lassen

auch, wenn sie mich anjault, sie anzufasen

ich wasche mich nur noch mit abwasser

weil es mir nichts wegnimmt