Archiv der Kategorie: Alltag

Endspurt und Neues

Guude!

das Jahr neigt sich dem Ende – so wie die Kräfte – ABER noch ist nicht halt zu machen.

Am 08.XII. und am 09XII.2023 findet das Textlandfestival in Frankfurt am Main statt und diesmal darf ich ebenso was beitragen! Ich lese am 09.XII. um 18h! Ich beende die wundervolle Veranstaltung.

Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

Das Komplexe Thema lautet: Zukunft braucht Herkunft und wir beschäftigen uns mit Utopien. Woher wir kommen und wo wir hinwollen, bedingen sich, aber können auch losgelöst voneinander werden – und bleiben trotzdem in Verbindung. Die wunderbar großartige, lustige und superintelligente Ann Cotten liest mit mir ebenso wie der einfühlsame, lakonische, Beobachter Deniz Utlu. Ich fühle mich so aufgeregt und so geehrt. Ich bin mit Prosa und mit Lyrik am Start.

am 15.XII. moderiere ich im Hessischen Literaturforum im Mousonturm zwei herausragende Lyrikerinnen, die gerade ihre neuen Bände vorstellen. Ich habe sie vorab gelesen und bin begeistert! Lisa Goldschmidt – Ursprünge und Romina Nikolić- Unterholz. Diese Lesung versucht unserem Denken, unserm Sprechen auf dem Grund zu gehen, unsere Ursprünge auch als Uhrsprünge der Zeitlichkeit zu erkunden und sich zu fragen, was der Untergrund ist, und wieso alles aus ihm hervorgehen muss. Ab 19:30h im Mousonturm (3. Stock – Hintereingang ;), Waldschmidtstrasse 4, 60316 Frankfurt am Main.

am 16.XII. (no rest for the wicked), ab 20h heißt es: theke.texte.temperamente und Jannis Plastargias und Andrea Baron und ich werden im legendären Nachtclub The Cave Literaturkritik live performen. Es gibt Buchgeschenke und: Eine perfekte Idee – vorher Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, hinterher Kultur mit Schnaps bei uns im Cave und dann ist die Vorweihnachtszeit gerettet.

Rezensionen und Binationalität!

Es wird besprochen!

Am 21.XI.2023 spreche mit Jasmin Siddiqi alias Hera of Herakut und Thusjanthan Manoharan um 19h im Haus am Dom über Binationalität, Familienhintergründe und Kunst. Die Veranstaltung heißt passend: Schreiben, Rappen, Streetart. Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt – 19h-21h. Die Veranstaltung wird geboten vom Verband Binationaler Familien und Partnerschaften. Ich bin dankbar und voller Vorfreude auf unser Gespräch.

Die FAZ, meine Heimzeitung, hat meinen Gedichtband livestream & leichen rezensiert. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt Christina Lenz z.B.: „je tiefer man sich in den Strudel solcher Verse begibt, desto eher erscheinen nicht mehr die Gedichte als Deformationen und Fassaden der Realität, sondern das alltäglichen Gerede im Modus der Normalität.

Ich bin voller Dankbarkeit und Euphorie. Hier ist die ganze Rezension zum Nachlesen:

Zudem, es geht noch weiter! Es wird weiter besprochen. Die Dichterin Carolin Callies empfiehlt meinen Gedixhtband beim Lyrischen Quartett im Lyrikkabinet im München. Aufgenommen am 08.XI.2023 und ausgestrahlt ab 22:03h am 19.XI.2023 auf Deutschlandfunk Kultur.

Carolin Callies sagt dort unter Anderem: „Ja, das ist Martin Piekar und was ich an ihm schätze, ist die unglaubliche Zeitgegenwärtigkeit seines Sprachmaterials. Er ist im digitalen Zuhause. Er nimmt das digitale Sprachmaterial und rettet es hinüber ins Gedicht. […]
Hier webt sich das Sprachmaterial ineinander und man weiß am Schluss gar nicht mehr, was ist noch Körper, oder was sind nur noch Daten und das finde ich ganz meisterlich.“

Große Freude! Schier unbändig und fast nicht in Sprache zu fassen. Deswegen muss weiter besprochen werden.

Dankeschön und Grüße,

Buchmesse. Puh!

Oh Goth! Es wird viel und es wird hoch literarisch!

18.X.2023

beginnt die Messe und ich darf sie fast eröffnen – um 10:30h mit einer Lesung aus „livestream & leichen“ bei der Leseinsel der Unabhängigen Verlage – Halle 3.1 – C105

20.X.2023

– moderiere ich um 17h die Veranstaltung „Königinnen und Mörderinnen“ mit Stanka Hrastelj, Jedrt Maležič im Ehrengast Pavillon Slowenien, Forum Ebene 1

ab 23h findet im Dortmunder Pils-Treff das „trinkfest“ statt, Hainer Hof 1, 60311 Frankfurt – Dichter*innen finden sich zusammen in einer Kneipe und lesen ab und an was. Trinken optional, aber wenn dann trinkfest. Es gibt keinen Plan, wer da ist darf lesen und trinken. Wo das sein wird? Na hier

21.X.2023

 – im Ehrengast Pavillon Slowenien: Forum, Ebene 1 gibt um 15h es eine Lesung der Poesie Plattform Versopolis – darunter werde auch ich sein aber es wird eine kleine Auswahl europäischer Lyrik geben.

Abends dann, um 20h gibt es eine neue Ausgabe von theke-texte-temperamente im THE CAVE, dem wohlschummrigen Nachtclub Frankfurts. Vier Frankfurter Temperamente (darunter ich) besprechen die Romane „Vatermal“ von Necati Öziri und „Kochen im falschen Jahrhundert“ von Theresa Präauer. Hier die fb Veranstaltung

22.X.2023

– 13:30 – Lesung aus „livestream & leichen“ am Stand des Literaturlandes Hessen, Halle 3.1 D99 – moderiert von Jo Frank.

Und dann ist alles und ich mach die Lichter aus und fahr in Urlaub

Hej pa!

Soundtrack, inoffiziell

Exakt eine Woche bis zu meiner Buchpremiere im HLFM.

Lesungen & Aktuelle Termine


Und ich wandele derweil durch die polnischen Städte Białystok, Warszawa und Gdańsk. Und zum Schreiten habe ich gerne etwas Musik. Ich habe einen Soundtrack erstellt für meinen Gedichtband livestream & leichen. Eine Spotify playlist – zu einem Teil der Lieder habe ich geschrieben, sprich wortwörtlich ist es der Soundtrack des Schreibens, zum anderen Teil bin ich durch viele Städte geschritten, bin spaziert und habe mich gehen lassen.
Wenn ihr also die volle #lulexperience haben wollt: hören und schreiten undodergar lesen und hören und spazieren.

Habt Spaß mit livestream & leichen, dem inoffiziellen Soundtrack zum Buch mit über 100 Songs (wen wunderts bei 6 Jahren arbeit 🤷‍♀️) .

Bis zum 01.09.

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Premierenlesung #lul

Ich bin ganz schön aufgeregt!

Am 01.09.2023 werde ich meine Premierenlesung auf livestream & leichen im Hessischen Literaturforum im Mousonturm haben.

!¡!

Mehr Infos zur Lesubg H I E R

Ich bin so froh, an einem Ort zu lesen, der mir schon so tief bekannt ist, mich so oft und viel gefördert hat und eine feste (und traditionelle) Größe der Literaturveranstalter meiner Heimatstadt ist.

Ich würde mich freuen, viele von euch am 01.09.2023 ab 19:30 im Mousonturm zu begrüßen.

Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main

Bis zum 01.09.

Moderieren wird übrigens mein wundervoller Lektor Jo Frank! Große Freude, d.h. es wird viele Werkstattgespräche geben und Einblicke in die Zusammenarbeit, die notwendig und fruchtbar Ost für einen Gedichtband.

Ich geh jetzt mal setlist erstellen – wünsche sind willkommen!

Grüße,

das pflaster, das durch uns gegangen ist

Die Wohnung meiner Mutter ist ausgemistet. Ich habe viel wieder gesehen, dass meinen Weg gepflastert hatte. Ich habe mich von vielem getrennt und einiges behalten.

Ich bin erleichtert und erschöpft. Ich bin viele Wege oftmals erneut gegangen. So viele Dinge und so viel Zeugs ist mit unserer Vergangenheit verbunden. Ich habe so viele Dinge, in die Hand genommen, die in mir eine Spur hinterlassen haben. Und ich musste über diese Dinge entscheiden. Ich bin erschöpft und erleichtert.

Dieses Jahr ist ein andauerndes Auf und Ab. Es geht immer weiter.

Ich bin aber auch froh, dass praktisch gleich mein neuer Gedichtband erscheint. Mein neuer Gedichtband „livestream & leichen“ ein Band voller Stimmen. Und so wie das Pflaster den Weg bereitet, um durch die Stadt zu spazieren, so bereiten andere Stimmen in uns den Weg nach außen zu gehen. Und so ist das ein kleine Sammlung an Zitaten, die mich zum Wundern, zum Fragen, zum Schreiben gebracht hat. Falls es jemanden interessiert, was mich so bewegt hat: viel Spaß!

das pflaster, das durch uns gegangen ist

Klagenfurt und Klagenlieder

Es ist ein Wahnsinn, also ich meine mein Leben. Klagenfurt und das Wettlesen um den Bachmannpreis waren sehr, sehr aufregend und anstrengend. Die Tage waren sowohl lang zum Zeitpunkt des Geschehens und ich kann kaum glauben, dass das ganze nun schon eine Woche her ist.

Kurzum: Ich bin unheimlich geehrte für meinen Text und meine Lesung zum einen mit dem Kelag-Preis und zum andern mit dem BKS-Publikumspreis ausgezeichnet worden zu sein. HIER geht es hin, falls ihr mehr erfahren wollt. Und natürlich gab es noch einige Pressemeldungen, z.B. von der Stadt Frankfurt – und die FAZ hat mich zu einer Person der Woche erklärt. auch schön!

Ich bin geradezu überwältigt und freue mich so sehr, diese Form von Anerkennung zu erfahren. Meinen Text werde ich weiter ausarbeiten und wir werden sehen, wann genau etwas Größeres daraus wird.

Danke, allen, die Zugehört haben, die sich Gedanken gemacht haben, die für mich abgestimmt haben (besonders danke), allen, die mich jetzt und schon so lange unterstützen. Ich bin dankbar für dieses Leben.

Zum Andern. Das Ausmisten der Wohnung meiner Mutter schreitet voran. Ich bin fast fertig, Ende Juli will ich fertig sein, aber um ganz genau zu sein, macht es mich auch fertig.

Neben den emotionalen Momenten, in denen ich mir wünschte, sie wäre noch da, oder hätte wenigstens meinen Bachmann Auftritt noch erleben können – da kommen dann noch Momente hinzu, in denen ich einfach überfordert davon bin, ihre Möbel, ihre Kleidung, ihre Bücher zu entsorgen (Bücherschrank, versteht sich).

Dieses Leben hat so viel hinterlassen und von Vielem muss ich mich schnell trennen. Und das zehrt auch an mir. Die Beerdigung hat Schulden hinterlassen, die ich jetzt tilgen kann und wer weiß, was noch ansteht. Ich zermartre mir manchmal zu sehr das Hirn. Es geht jedoch weiter. Ein Hoch auf Freunde, die einem helfen. Und die Poesie. Und das Lachen. Es kommt schon wieder. Es ist ein Wahnsinn, dieses meine Leben, meine ich.

Was ein Jahr & mehr

Hallo!
In letzter Zeit habe ich mich digital etwas zurückgezogen, da das unmittelbare Leben mich schlicht überfordert hat. Und tatsächlich hab ich mich den unmittelbaren Aufgaben gestellt. Auch, wenn nicht alle zu bewältigen waren. Das Unbewältigbare zuerst: Meine Mutter ist dieses Jahr verstorben. Sie wurde von mir gepflegt und ich habe mich so gut es geht um sie gekümmert, aber der Körper und der Geist gelangte an seine Grenze. Und ich bin an meiner. Immer noch. Ich wünsche mir manchmal, es würde mich nicht s mitnehmen. Aber das tut es. Das wird es noch lange. Um Genaueres und Näheres zu erzählen, bin ich noch nicht bereit. Ob jemals, wer weiß.
Weiterhin geht das literarische Leben unmittelbar weiter. Mein dritter Gedichtband wird bald erscheinen! Fünf Jahre Arbeit – an der Verzweiflung, an der Depression, an der Überwindung entlang geht dieser Spaziergang und ein ungesehenes Dunkel und die Frage, wohin es geht, kann nur beim Lesen beantwortet werden. „livestream & leichen“ wird der Gedichtband heißen und beim Verlagshaus Berlin erscheinen. Diesen August wie es ausschaut.
Uuuuund die Freude-Bombe des Jahres: Dieses Jahr lese ich bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur – also beim Ingeborg Bachmann Preis – vom 28.06.-02.07. in Klagenfurt.

https://bachmannpreis.orf.at/stories/teamautoren23/

https://bachmannpreis.orf.at/stories/teamautoren23/
Es wird live gestreamt, es wird im Fernsehen übertragen. Ich bin so aufgeregt. Ich kann es nicht fassen. Es wäre toll, wenn ihr mich beim Publikumspreis unterstützen könntet.
Und doch lässt die Mischung aus Emotionen mich manchmal nicht das fühlen, was ich gerade fühlen möchte. Es ist ein hin und her. Und ich verspreche, wieder öfter hier zu sein.

Danke für eure stet Unterstützung.

Meisterklasse Lyrik! – von Herzen, von Menschen, vom Klang her gedacht

Zusammenarbeit gefällig?

Liebe Leutz,

ich bin ja sehr demütig mit Eigenwerbung geworden. Doch hierfür möchte ich Werbung machen, denn ich hoffe, dass es stattfindet. Ich gebe dieses Jahr die Meisterklasse Lyrik beim schwäbischen Kunstsommer.

– vom 31.07-07.08. kann man mit mir an Tonalität, an Rhythmus und an (allem) Aussprache arbeiten. Ich werde eine Schreibwerkstatt leiten, bei dem die Teilnehmer*innen sich ihrer und unserer Alltagssprache bewusstwerden und diese poetisch zu erarbeiten, zu verarbeiten oder auch zum Klingen bringen. Der poet(olog)ische Austausch wird dabei ebenso im Vordergrund stehen wie die Performativität der eigenen Sprache. Gedichte entstehen oftmals genauso allein wie gemeinsam. Und nichts Schöneres gibt es, als engagierte Mitlesende. Zudem werde ich poetologisch und philosophisch und einfach menschlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und zudem!!! kann man die Atmosphäre des Klosters Irsee genießen und mit mir zusammen Geburtstag feiern. Also! Lasst dichten!

Die Bewerbung ist möglich bis 22.04.2022 und kann online hier erfolgen: LINK http://www.kunstleben.info/index.php?id=348

Die Teilnahme kostet und ist auf 13 beschränkt für meine Meisterklasse. Und es gibt sogar die Möglichkeit Stipendien zu beantragen, sollte jemand die Kosten nicht tragen können!

Ich fühle mich so geehrt, dass die Schwabenakademie Irsee an mich gedacht hat und mir diese Möglichkeit eröffnet. (ich hab da ja eigentlich Sommerferien, aber ich kann das Unterrichten eben einfach nicht lassen 😊

Ich freue mich tierisch auf diese Meisterklasse Lyrik!

Poetisiert Euch! – Herzlich,

Inzidenzen des Verschwindens

Prag ist eine magische Stadt und ich werde noch mehr über diese Metropole schreiben, doch zuerst will ich mit einem Thema beginnen, das ich eigentlich vermeiden wollte: Corona. Uuuuäääärgggh, ich weiß. Und doch, es ist mir ein Bedürfnis es zu besprechen.

Als ich nach Praha aufbreche, gibt es eine Inzidenz von 18,5 – in Deutschland ca. 17,5. Ich hätte den November 2020 in Prag verbringen sollen. Wir wissen alle, was geschehen war. Die Inzident von 700 schwimmt in meinem Bewusstsein herum; drei Mal wurde mein Prag-Aufenthalt verschoben. Nun bin ich selbst doppelt geimpft und nehme immer weniger Gefahr wahr – vor allem weniger Gefahr, jemanden anzustecken. Trotzdem möchte ich mich leicht für Unvorsicht rügen.

Beim Durchstreifen der Stadt fiel mir auf, wie viele gewerbliche Räume derzeit Leerstand aufweisen und wie viele Geschäfte ganz simpel und einfach geschlossen haben. Immer noch. Oder, wie mir auch berichtet wurde: geschlossen wurden. Diese Pandemie ist anstrengend und nervt, natürlich! Doch ich sehe gerade in Prag, wie sehr sie die Infrastruktur und das Angebot der Städte verändert. Ich bin nach Prag aufgebrochen, kurz nachdem in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main Lockerungen Anwendung fanden. Ich habe Angst heimzufahren und dann erst zu realisieren, wie viele Geschäfte, Lokale, Restaurants, Kneipen, Clubs, Bars es nicht mehr gibt. Puh. Und das gar nicht, weil ich Angst vor Veränderung habe, sondern Angst vor dem Verschwinden.

Dann laufe ich über den Platz der Alt-Stadt Prags. Die Astronomische Uhr wird vom Tod geläutet. Auf dem Boden unweit davon prangen weiße Kreuze samt Namen und Daten. Alle sind sie an Corona gestorben. (Die MIT-Debatte führe ich nur noch mit Ohrfeigen, melden Sie sich bitte an.)

Ich sehe die Namen und denke die Inzidenz von 18,5. Das sind die Gesundeten und die Toten. Wir werden die Gesundeten schon bald behandeln als wäre nichts gewesen; wir Menschen können das gut. Die Toten beginnen wir loszulassen. Ich fürchte das. Wenn wir uns nicht mehr der Toten erinnern – wer dann?

Ich sehe die weißen Kreuze und weine ein wenig, ich bin ehrlich. Ich weine ein wenig für die Namen, die noch gegen die Zeit durchschimmern. Und dann läutet der Tod die Uhr. Es ist 17 Uhr. Das Stundenglas rinnt uns durch die Hände.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle aufhören. Am Vltava-Ufer (Moldau-Ufer), diskutierte ich jedoch nachts drauf mit fünf Menschen über die Corona Impfung. Eine tschechische Künstlerin merkte an, dass man bei dieser Debatte immer angeschrien wird, es wäre so emotional, das ließe sich mit nichts vergleichen, die Leute würden immer gleich so schreien. Und auch ich schrie. Wieso müssten wir so emotional diskutieren, wenn es eine individuelle Entscheidung wäre, fragte sie. Wir werden zu Antagonisten.

Einige argumentierten, dass sie sich nicht impfen lassen wollen, weil sie sich regelmäßig testen lassen. Und zu dem wollen sie keinen derartigen Eingriff in ihren Körper. Dies wäre immerhin eine individuelle Entscheidung und das solle respektiert werden. Ein Eingriff in den Körper – Ich zeigte auf die Person, auf ihr Bier und sagte: jedes getrunkene Bier ist ein Eingriff in den jeweiligen Körper.

Pro Choice – Pro Life.

Ich hüte mich vor dem Vergleich, will ihn gar nicht ziehen, aber er drängt sich mir auf. Wir diskutieren und schreien uns irgendwann an. Jemand geht kurz von dem Grüppchen weg, weil die Person sich der Intensität der Auseinandersetzung nicht aussetzen möchte. Weil die Emotionen überwältigend sind. Weil die Stimmen sich erheben. (Ich habe den Pro-Life Vs. Pro-Choice Gedanken nicht geäußert und keine fünf Minuten später diskutierten die anderen aus dem Grüppchen, wann Leben beginnt. Ich schätze, mit dem Bewusstsein der Sterblichkeit fragen wir uns nach dem Beginn.)

Ich bin geimpft. Ich habe mich impfen lassen, um meine pflegebedürftige Mutter nicht anzustecken und niemand aus meinem Freundeskreis zu gefährden. Aber die Impfung wäre doch ein Eingriff und man könnte ja trotzdem weiterhin jemanden anstecken, werden mir als Gegenargumente entgegengebracht. Jemand merkt klug an: In unserer Zeit sind alle Wissenschaftler*innen. Was für eine Zeit, als dieser Berufsstand noch Respekt erfuhr, schwärmt diese Person. Heute nehmen alle ihr Telephon zur Hand und wissen sofort, was zu glauben ist.

Am Ende bleiben wir bei der Debatte: Individuum Vs. Gesellschaft. Es bleibt keine Antwort. (Ge)Denken wir gemeinsam. Weiße Kreuze. Daten. Inzidenzen verschwinden, und sie bereiten mir auch dabei Angst. Nur wir können all der Toten gedenken.